E-Mail schreiben

0451-12285700

Deutsch-dänische Jugendbegegnungen – die 10d erhält Einblicke ins dänische Schulleben und Möglichkeiten der Jugendbeteiligung in der Grenzregion


Die Klasse 10d hatte an fünf Tagen die Gelegenheit, an gleich zwei Schulen Einblicke in das dänische Schulsystem zu gewinnen, dabei Gleichaltrige in unserem Nachbarland kennenzulernen und sich über die Zukunftsperspektiven in der Grenzregion unserer Länder auszutauschen auf einer deutsch-dänischen Jugendkonferenz.

Los ging es am Sonntag, den 26. April mit der Fahrt im Bus zusammen mit Schülern der Baltic-Schule zum Vanderhjem in Faxe, einer Kleinstadt auf Sjælland. Teil der Reise war die Überfahrt mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby, die entfallen wird, wenn die feste Fehmarnbeltquerung fertig gestellt sein wird. Vom Schiff konnten wir die Tunnelbaustelle auf der dänischen Seite sehen.

Direkt hinter unserer Unterkunft liegt ein riesiger Kalksteinbruch, in den wir, ausgerüstet mit Hammer und Meißel, hinabstiegen und nach Fossilien suchten. Dieser Teil Seelands lag vor 63 Mio. Jahren unter dem Meeresspiegel, sodass wir versteinerte Korallen und Muscheln im Gestein freilegen konnten.

Auch die Lehrkräfte, Herr Wieker und Herr Bethge, beteiligten sich an der Suche.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn um 8:00 Uhr wurden wir im Næstved Gymnasium, unserer langjährigen Partnerschule vom Direktor und Lehrerin Berit Bang Jensen erwartet.

Danach gab es mehrere Kennenlernaktivitäten, bei denen die dänischen Jugendlichen ihre Deutschkenntnisse anwenden und unsere einige Phrasen auf Dänisch verwenden sollten, bevor sie zu Unterrichtshospitationen auf verschiedene Klassen verteilt wurden. Was hat uns überrascht? Der Umgang zwischen Lehren und Schülern ist lockerer als bei uns. Selbst der Schulleiter wird geduzt. Die Ausstattung der Schule ist besser. Es gibt z.B. ein eigenes Gym für Schüler, eine Kletterhalle und einen Fachraum mit 3-D-Druckern. Die Schüler „parken“ zu Beginn des Unterrichts ihre Mobilphone in „Handygaragen“. Trotz dieser Vorkehrungen sorgen Tabletts im Unterricht für Ablenkung, die mündliche Beteiligung war dadurch oft gering. Diese Erfahrung ist für unsere Schüler durchaus vertraut;)

Mittags setze sich das Programm fort mit der Teilnahme an der deutsch-dänischen Jugendkonferenz, an der auch die Baltic Schüler, Jugendliche der Gymnasien Næstved und Køge sowie Vertreter der jeweiligen Kommunen teilnahmen. Unter dem Titel „Fehmarnbeltregion in Bewegung – wie machen wir uns fit für die Zukunft?“ interviewten Vertreter aus allen vier Schulen Referenten, die Impulse für die Gestaltung der Wirtschaft und Gemeinschaft in der Region geben können: Die Unternehmerin Luna Storm begründete, warum sie Køge als Firmenstandort der Hauptstadt vorgezogen habe. Der erst 21-jährige Kommunalpolitiker Gustav Mortensen erläuterte, wie er die Interessen Jugendlicher ins kommunale Parlament einbringt und die TMS-Schüler befragten unseren ehemaligen Schüler Niklas Meyer. Er studiert z.Z. in Kolding, arbeitet als Werksstudent für ein Bootsbauunternehmen und berichtete, wie er auf die Idee gekommen sei, in Dänemark zu studieren, und welche Möglichkeiten er sich davon auf dem internationalen Arbeitsmarkt verspricht. Er sei gut in die dänische Gesellschaft integriert, berichtete er, da er mittlerweile fließend Dänisch spreche, obwohl an der Uni auf Englisch unterrichtet werde. Sein Engagement im Ruder- und Segelverein habe dazu entscheidend beigetragen, aber auch sein Nebenjob, mit dem er sich das Studium finanziert.

Nach der Mittagspause ging es rund. Die Chaospiloten, eine Gruppe von Erlebnispädagogen, übernahm das Ruder. In gemischten Gruppen und unter Zeitdruck mussten die Jugendlichen unterschiedlichste Anforderungen erfüllen, die mal spaßig waren, mal körperliche Anforderungen stellten oder Konzentration und Teamarbeit erforderten: Wer bläst in kurzer Zeit die meisten Luftballons auf? Wer löst ein Suchsel mit 10 verschiedenen dänischen Begriffen? Wer flicht die meisten Zöpfe oder identifiziert die Titel und Musiker der Stücke, die im Hintergrund laufen. Wer schafft es, in 5 Minuten eine Brücke aus Spaghetti und Marshmallows zu bauen? Daneben gab es ernstere Aufgaben, wie manipulierte von seriösen Informationen im Internet zu unterscheiden, ein Interview für den Offenen Kanal in Lübeck zu führen oder 50 Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Dänemark zu finden. Alle Ergebnisse mussten nach Ablauf der Zeit zur „Bar“ gebracht werden, wo die Auswertung stattfand.

Nach diesem erlebnisreichen und intensiven Tag entspannten wir am Lagerfeuer am Abend bei unserer Unterkunft, Marshmallowgrillen eingeschlossen.

Am Dienstag, den 28.4. reisten wir weiter nach Kopenhagen, wo wir uns zunächst in die Altstadt aufmachten nach Schloss Christiansborg, dem Sitz des dänischen Parlaments.

Dort war der Ausgangspunkt für eine Rallye in Kleingruppen. Manche hatten das Thema „Beispiele für Nachhaltigkeit in Kopenhagen“ gewählt, andere den Fokus auf die Verbindung von traditioneller und moderner Architektur in der dänischen Hauptstadt gelegt, das heißt Beispiele für das Lebensgefühl, das mit hygge umschrieben wird, gesucht.

Das Fahrrad ist das Hauptverkehrsmittel in Kopenhagen, dementsprechend ist die Infrastruktur darauf ausgelegt. Kajaks, mit denen man auf dem Wasser Müll sammelt, stehen kostenlos zur Verfügung.

Zum Abendessen trafen wir uns in einem Park hinter Schloss Christiansborg, wo wir eine lange Tafel aus Tischen und Stühlen, die für Besucher zur Verfügung stehen, bildeten.

Am Mittwoch nahmen wir eine autonom fahrende Metro zur Copenhagen International School, die uns zu einem Besuch eingeladen hatte. Seit 20 Jahren besteht die Kooperation zwischen ihr und der TMS, wie uns Heidi Helmich, die Lehrerin, die diesen Kontakt pflegt, berichtete.

Diese privat finanzierte Schule liegt im ehemaligen Hafengebiet. Der Baukörper wirkt wie aufeinander gestapelte Container. Verkleidet ist er mit blauen Platten, die sich bei genauerem Hinsehen als Solarpanele herausstellten. Die CIS erzeugt ihren Strom selbst, wie auf einer digitalen Anzeige im Eingang abzulesen ist.

Chris Andre, Direktor der Schule, und Heidi Helmich begrüßten alle, bevor wir uns gegenseitig näher kennenlernten und in einem Quiz das Wissen über einander testeten: Deutsche und dänische Wissenschaftler, wie Albert Einstein und Nils Bohr, Schriftsteller, wie Karen Blixen und Thomas Mann oder Handballer, wie Mikkel Hansen und Juri Knorr, sollten anhand von Fotos zu identifiziert werden. Danach bekamen wir das faszinierende Schulgebäude gezeigt.

Auffällig sind die Weitläufigkeit und Offenheit der Räume, die vielen Kunstwerke unterschiedlicher Klassen, die die Flure schmücken und die Bewegungsangebote, z.B. Schulhöfe und Spielplätze auf dem Dach des Gebäudes.

Die Bibliothek ist integraler Bestandteil des Hauptgebäudes.

Zur Ausstattung des Gebäudes gehört auch eine Lehrküche, in der wir Hindbærsnitter, eine dänische Plätzchenspezialität, buken und verzierten.

Copenhill, eine Müllverbrennungsanlage mit schrägem Dach, die als Sommerskipiste genutzt wird, war am Nachmittag unser nächstes Ziel.

Der Blick von oben auf Kopenhagen, die Öresundbrücke und den Hafen entschädigte für den anstrengenden Aufstieg.

Zurück in der Altstadt war die malerische Kulisse mit den farbigen Häusern in Nyhavn der Ausgangspunkt für eine Bootstour durch die Kanäle und den Hafen.

Das Opernhaus ist eines der jüngsten Beispiele für moderne Architektur in der dänischen Hauptstadt.

Schloss Amalienborg, der Wohnsitz der königlichen Familie, mit der Marmorkirche in der Mitte liegt am gegenüberliegenden Ufer. Ein Beispiel, wie die Dänen es verstehen, traditionelle und moderne Architektur zu verbinden.

Was uns noch aufgefallen ist: In Dänemark wird die Gemeinschaft großgeschrieben. Es gibt z.B. zahlreiche öffentliche Saunen und Kajakstationen am Fjord, die man kostenlos nutzen kann, ein Bad im abgetrennten Teil des Fjords inklusive.

Wir danken Berit Bang Jensen und ihren Kollegen und Schülern vom Næstved Gymnasium für die inspirierenden Einblicke in ihre Schule.

Darüber hinaus gilt unser Dank den Organisatoren der Jugendkonferenz: den Vertretern der Kommunen Næstved und Lübeck, insbesondere Anna Rübner und Diana Bauder, außerdem Birte und Thomas Waldner von der Agentur tw.com und den Schülern der Baltic Schule, die auf der Konferenz moderiert haben.

Dankbar sind wir unserer langjährigen, so geschätzten Kollegin von der Copenhagen International School, Heidi Helmich, die für uns ein wundervolles, abwechslungsreiches Programm in ihrer Schule organisiert hat.

Alle Begegnungen und Erlebnisse haben uns bereichert und angeregt, unsere eigenen Routinen zu überprüfen, neue Erfahrungen zu integrieren, unseren Blick über Grenzen hinaus zu richten und unsere dänischen Nachbarn besser zu verstehen.

Wir freuen uns auf viele weitere gemeinsame Vorhaben.

Mange tak! Vi ses!

Text und Fotos: Mechthild Piechotta