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Zu Besuch in Brüssel, der „Hauptstadt der Europäischen Union“


Die Klassen Q1a und b hatten das Glück, von der schleswig-holsteinischen Europaabgeordneten Delara Burkhardt zu einem viertägigen Besuch nach Brüssel eingeladen zu werden. Zwei Tage brauchten wir für die Hin- und Rückfahrt. Zwei Tage standen uns für das Erlebnis des Europaquartiers und dem Erkunden der „Hauptstadt“ der Europäischen Union zur Verfügung.

Nach neun Stunden Fahrt machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt des abendlichen Brüssel, an der Cathedrale St. Michel et Gudule vorbei zum Grande Place, wo wir die historischen Fassaden des gotischen Rathauses und der barocken Zunftgebäude bewunderten.

Die Galeries Royales Saint-Hubert bestehen eigentlich aus drei Passagen.

Im Fokus der Reise stand der Besuch des Europäischen Parlaments am Dienstag, den 17. März. Zu Fuß gelangten wir ins Europaquartier und machten zunächst ein paar Gruppenfotos, bevor wir in das Gebäude Henri Spaak, benannt nach dem belgischen EU-Visionär, eingelassen wurden.

Delara Burkhardt, Mitglied der SPD, gehört im Europäischen Parlament der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten ( S6D) mit 136 Abgeordneten, der zweitgrößten Kraft im Europäischen Parlament, an. Sie setzt sich als Mitglied des Umwelt- und Verbraucherschutzausschusses für die Ziele des Green Deals, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu entwickeln, ein. Dafür brachte sie mehrere Beispiele, das Verbot von Plastikstrohhalmen, eine neue Richtlinie, die den Verpackungsmüll reduzieren soll, und mehr Nachhaltigkeit bei der Bekleidungsproduktion. Statt der vorgegebenen halben Stunde nahm sie sich eine ganze Stunde Zeit für unsere Fragen.

Danach erläuterte ein Parlamentsmitarbeiter die Zusammensetzung des EP, bei dem es keine Regierungskoalition gibt, sodass Mehrheiten für jedes Gesetz einzeln gefunden werden müssen, ein Prozess, der oft ein Jahr oder länger dauern kann.

Dann war es soweit: Wir durften den Plenarsaal betreten. Dort fand an dem Tag keine Parlamentsdebatte statt, sondern ein Symposium zum Thema Besteuerung.

Im „Strudel der Geschichte“ heißt die 25 Meter hohe Skulptur aus Aluminium und Glas, die sich spiralförmig durch das gesamte Gebäude des Hauses der Europäischen Geschichte zieht. Sie verbindet historische Phasen auf den verschiedenen Ebenen des Gebäudes.

In dem Museum geht es um Entwicklungen und Ereignisse, die die Länder Europas beeinflusst haben bzw. ihnen gemeinsam waren, wie die Ölkrise Anfang der 70er Jahre, …

die Frauenbewegung in den 80ern, …

die Lust zu reisen …

und die Teilung Europas und ihre Überwindung.

Vieles wurde in dem Museum anschaulich vermittelt, allerdings meist ohne Kontext. Eine Hitler-Büste oder ein Plakat mit Stalins Konterfei bedürfen unserer Meinung nach der Erklärung, die weder in Form einer Beschilderung vorlag, noch über den Audioguide vermittelt wurde. Das fanden wir verbesserungsbedürftig.

Vor dem Besuch des Hauses der Europäischen Geschichte machten einige einen Abstecher zum Gebäude der Europäischen Kommission, die aus 27 Kommissaren, aus jedem Mitgliedsstaat einem, zusammengesetzt ist und der das alleinige Initiativrecht bei der Gesetzgebung zusteht.

Die Fassade des Gebäudes, in dem der Europäische Rat tagt, d.h. die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten zusammentreten, besteht aus Fensterrahmen aus allen Mitgliedsstaaten, Ausdruck für das Motto der EU „In Vielfalt geeint“.

Am Mittwochmorgen besichtigten wir das Wahrzeichen Brüssels, das Atomium genannte Gebäude, das anlässlich der Weltausstellung 1958 vom Ingenieur André Waterkeyn entworfen und den Brüdern André und Jean Polak in Form eines Atoms aus Edelstahl errichtet worden ist.

Danach hatten wir Freizeit, die jeder seinen Vorlieben gemäß gestaltet hat: Einige besuchten den Flohmarkt auf dem Place Jeu de Balle, …

andere entdeckten in den verschiedenen Vierteln die zahlreichen Comics, für die Brüssel berühmt ist, …

wieder andere besuchten das Automobilmuseum im Jubelpark, der anlässlich der Unabhängigkeit Belgiens errichtet wurde.

Und eine weitere Gruppe picknickte im Park des königlichen Schlosses.

Am Abend trafen wir uns in einem traditionellen belgischen Restaurant zum Abschiedsessen, bevor wir am folgenden Tag die 10stündige Busfahrt zurück nach Lübeck antraten.

Insgesamt haben wir nicht nur die unterschiedlichen Seiten der belgischen Hauptstadt erlebt, sondern eine konkrete Vorstellung von dem Ort gewonnen, an dem Politik für die europäischen Mitgliedsstaaten gemacht wird. Wir haben ein Verständnis dafür entwickelt, welche langwierigen Abstimmungsprozesse notwendig sind, um die europäische Zusammenarbeit zu vertiefen und die Einigung des Kontinents voranzubringen. Und dass wir diese Einsichten auf Kosten der europäischen Steuerzahler gewinnen konnten, erfüllt uns mit Dank.

Text: Mechthild Piechotta

Fotos: Oscar K. und Mechthild Piechotta