Thomas-Mann-Woche: Talkshow zum Namensgeber unserer Schule
Wir hatten an der Thomas Mann Schule die besondere Ehre, ein eigenes Talk-Show Format über Thomas Mann zu erleben und es war wirklich ganz anders als der klassische Schulvortrag, den man sonst erwartet. Frau Dr. Heuer (Leitung des Buddenbrookhauses) und zwei weitere Mitarbeiterinnen, Frau Limbourg und Frau Dr. Eschenburg, haben das Ganze wie eine kleine Show in drei Teilen aufgebaut: Sie haben sich gegenseitig Fragen gestellt, widersprochen und ergänzt, sodass es eher wie ein echter Talk wirkte.

Sie begannen mit Doppelfragen, wie „Minister oder Unternehmer?“, „Spießer oder Rebell?“ oder „Sylt oder Malle?“, die nicht nur humorvoll waren, sondern auch Informationen zu Thomas Mann enthielten. Jetzt argumentierten sie für oder gegen die Etikettierung Thomas Manns mit dem einen oder anderen Begriff und vermittelten auf diese Weise Kenntnisse über seine Herkunft und seinen Lebensweg.


Die Drei haben viel über Thomas Manns politische Entwicklung berichtet und erklärt, wie er sich von einer eher konservativen Haltung unter dem Eindruck der Radikalisierung in der Weimarer Republik langsam der SPD annäherte. Gleichzeitig ging es auch um sein persönliches Leben, seine Familie und die Lage und Aktivitäten im Exil.
Besonders spannend waren die vielen Bezüge zur aktuellen Politik. Die Referentinnen haben zum Beispiel gefragt, wie Thomas Mann heute zu Politikern wie Trump oder Putin stehen würde oder welche Position er in den heutigen Debatten einnehmen könnte. Würde der Freund großer Automobile z.B. heute einen Tesla fahren? Dadurch wurde deutlich, wie aktuell manche seiner Gedanken immer noch sind. Was uns am meisten gefallen hat, war die Interaktivität. Die drei Expertinnen haben direkt mit uns gesprochen, Fragen ins Publikum geworfen und sogar Abstimmungen durchgeführt. Es gab drei kleine Formate: Zuerst vermittelten sie über die Zuordnung zu einem der konträren Begriffe Basiswissen, dann gab es einen „Würde er oder würde er nicht?-Teil“ und zum Schluss ein Zitate-Quiz. Beim letzten Teil sollten wir mit roten oder grünen Karten abstimmen, ob eine Äußerung von Thomas Mann oder einer anderen Persönlichkeit, wie Hannah Arendt, Winston Churchill oder Frank Walter Steinmeier stammte.


Die Abstimmungen haben richtig für Stimmung gesorgt und man war die ganze Zeit aufmerksam. Begriffe, die man nicht sofort verstanden hat, wurden nebenbei erklärt, und durch Alltagsbezüge ermöglichten uns die Mitarbeiterinnen des Buddenbrookhauses einen leichten Zugang zum Namensgeber unserer Schule. Zwischendurch haben sie auch Ausschnitte aus Reden Thomas Manns genutzt, damit wir einen Eindruck von Thomas Manns Stimme und seiner Art zu sprechen bekamen. Fotos aus verschiednen Lebensphasen des Namensgebers unserer Schule auf PowerPoint und die Tatsache, dass wir die Zitate mitlesen konnten, waren Gestaltungsmitteln, die für Anschaulichkeit sorgten. Man hatte wirklich das Gefühl, dass die Drei sich extrem gut auskennen und es wurde klar, dass sie täglich zu dem Thema arbeiten, weil sie so selbstverständlich und lebendig darüber gesprochen haben, fast so, als wären sie selbst mit Thomas Mann befreundet gewesen. Gleichzeitig hatten sie nicht immer die gleiche Meinung, wodurch Diskussionen entstanden, die den Talk noch spannender gemacht haben. Insgesamt war es ein abwechslungsreicher, lustiger und trotzdem informativer Vormittag, der gezeigt hat, wie modern und interessant Thomas Mann eigentlich sein kann. Es war definitiv ein Highlight und ein Format, das man so nicht alle Tage erlebt, denn es wurde ja auch eigens für uns entwickelt!
Wir sind begeistert von dieser an den Interessen und den Vorkenntnissen heutiger Jugendlicher orientierten Form der Vermittlung literarischen Wissens und danken der Haukohl-Stiftung für die Förderung diese einzigartigen Veranstaltung.
Text: Leni E.
Fotos: Mechthild Piechotta
