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Thomas-Mann-Woche: „Buddenbrooks“ – Was kann die Verfilmung des Romans heutigen Jugendlichen sagen?


Der Film „Buddenbrooks“ des Regisseurs Heinrich Breloer zeigt über zwei Stunden den Zerfall einer reichen Kaufmannsfamilie. Dabei thematisiert er familiäre, ökonomische und gesellschaftliche Probleme am Ende des 19. Jahrhunderts in verdichteter Form anhand der Familie Buddenbrook, die Parallelen zu Thomas Manns eigener Familie aufweist. 

Gibt es Parallelen zu heute oder geht es in dem Film von 2008 auf der Grundlage des Romans von 1901 um eine historisch einmalige Konstellation, die nichts mit uns zu tun hat? Auf den ersten Blick ist die Antwort nein, aber bei genauerer Auseinandersetzung sehen wir gewisse Gemeinsamkeiten zwischen uns und den Romanfiguren.

Denn auch in der jetzigen Zeit verändert sich vieles. Der gesellschaftliche Wandel heute trägt wie Ende des 19. Jahrhunderts zu Unsicherheiten bei. Globalisierung, Digitalisierung und soziale Umbrüche sind der Grund für die Unsicherheiten, denn das Anpassen und die Änderung der vorhandenen Strukturen fallen vielen Menschen schwer. Das spiegelt der Film sehr gut wider, weil die Familie Buddenbrook unter großem wirtschaftlichen und sozialen Druck steht. Da wird deutlich, dass das Anpassen an neue Realitäten der Industrialisierung, der entstehenden Arbeiterbewegung und der gesellschaftlichen Werte Zusammenhalt erfordert, weil sie gegebenenfalls starke Folgen für das Unternehmen sowie die Familie haben können. Die Folgen sind am Ende erkennbar, denn die Firma wird aufgelöst, das Haus verkauft und es sind fast alle Familienmitglieder, insbesondere der Firmenerbe Hanno, tot.

Aber nicht nur den gesellschaftlichen Wandel zeigt der Film, sondern auch den Konflikt zwischen persönlichem Glück und gesellschaftlichen Erwartungen. Man erkennt es an Christian und Thomas im Roman gut, die beide eine Frau aus der Unterschicht lieben, die eine Schauspielerin , die andere Blumenverkäuferin. Christian stellt sein Glück über die Geschäfte und erfüllt damit keinerlei Erwartungen gegenüber seiner Familie und deren gesellschaftlicher Stellung im Gegensatz zu Thomas, der sich für eine junge Frau aus reichem Hause entscheidet, um den Anforderungen als Firmenerbe gerecht zu werden. Auch ihre Schwester Tony opfert ihr Lebensglück, die Liebe zum Sohn des Leuchtturmwärters Horten Schwarzkopf, dem vermeintlichen Wohl der Firma. Die gute Partie erweist sich allerdings als Hochstapler. Sein Bankrott schwächt das Firmenkapital der Buddenbrooks empfindlich.

Auch heutzutage ist der Druck, den Anforderungen zu entsprechen, hoch. Viele Menschen stehen im Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung, Karriere und familiären Erwartungen, oft angetrieben von Vorbildern auf Social Media, der Familie oder eigenen Ansprüchen, denen man nicht gerecht wird. Der Film regt dazu an, über Lebensentscheidungen und sozialen Druck nachzudenken. Er schafft ein Bewusstsein für Verantwortung, Risiko und Tradition. Viele Unternehmen, die seit Generationen in Besitz einer Familie sind, kämpfen mit den gleichen Dingen. Sie durchleben Generationswechsel, das bedeutet Veränderung. Viele möchten die Firmen modernisieren, digitalisieren und für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Dazu stehen sie im ständigen Vergleich zum Vorgänger, der Konkurrenz und haben somit einen starken Innovationsdruck. Das verkörpert die Figur Thomas Buddenbrook sehr gut. Durch ihn ist das Dilemma zwischen moderner Wirtschaft und Treue zur Tradition erkennbar.

Abschließend ist zu sagen, dass der Film uns gut gefallen hat. Er spricht viele aktuelle Themen an, die auch unsere Generation beschäftigen. Dennoch zog sich der Film unserer Meinung nach in die Länge. Besser hätte er uns gefallen, wenn er kürzer und prägnanter gewesen wäre, was für mehr Spannung gesorgt hätte.  

Interessant war, die Orte der Filmhandlung zu identifizieren, denn viele Szenen wurden in Lübeck gedreht.

Text: Freya H.