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„Tatort soziale Netzwerke – Verschwörungsmythen und Fake News im Internet“


So hieß der Titel des Workshops, den der Journalist Carsten Janz am 21. November in der Q1a durchführte.

Die Schülerinnen und Schüler des WiPo-Profils durchsuchten Telegramm Posts von Prominenten wie Attila Hildmann, Michael Wendler und der ehemaligen Tagesschausprecherin Eva Herrmann unter dem Gesichtspunkt der Aufmachung und des Inhalts.

Sie stellten fest, dass eine alarmistische Stimmung erzeugt wird durch Emojis wie Blitze, Flammen und Blaulicht. Diese suggerieren dem Leser, es herrsche eine Notsituation, die Gegenwehr gegen den Staat rechtfertige. Oft werden in den Posts zwar seriöse Medien zitiert, aber im Sinne einer Verschörungserzählung kommentiert. Reichsbürger, Coronaleugner und Anhänger der QAnon-Bewegung behaupten, diese Notlage rechtfertige sogar Gewalt.

Ergebnis ist eine Delegitimierung des Staates, dem unterstellt wird, er arbeite mit höheren Mächten zusammen, die ein Überwachungsregime etablieren und die Menschen versklaven wollten. Grundlage fast aller Verschwörungsmythen ist, so Carsten Janz, ein massiver Antisemitismus. Gerade seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober diesen Jahres bricht sich dieser Antisemitismus auch öffentlich Bahn und wird in sozialen Medien verbreitet.

Was hilft gegen Verschörungserzählungen?, wollten die Schülerinnen und Schüler wissen.

Carsten Janz gestand, dass es schwierig sei, Menschen, die ein geschlossenes Weltbild haben, zu erreichen. Selbst Fakten, die das Gegenteil des Behaupteten belegen, würden im Sinne der eigenen Ideologie umgedeutet, diejenigen, die sie vortragen, zu Gegnern erklärt.

Insgesamt seien 30 Prozent der deutschen Bevölkerung offen für Verschwörungserzählungen, lernten die Schüler. Zu diesen Mythen neigten Menschen, die einen Kontrollverlust erlitten haben, z.B. durch Arbeitslosigkeit. Insbesondere deshalb hätten sich zahlreiche Menschen in der Corona-Pandemie, während der ihnen Quarantäne verordnet und Lockdowns auferlegt worden seien, solchen Verschörungsmythen angeschlossen.

Was kann man tun, um den Wahrheitsgehalt von Meldungen zu untersuchen?

Der Journalist sagte, dass man bei einer Nachricht, z.B. einem weitergeleiteten Post, zu den Quellen zurückgehen müsste. Er demonstrierte das an einem Beispiel: An vier Orten in Deutschland waren Bilder aufgetaucht, die die Plünderung eines Weihnachtsbaumes durch südländisch aussehende Männer zeigen. Beim genauen Hinsehen war zu erkennen, dass es sich nicht um das Kaufhaus des jeweiligen Ortes handeln konnte. Zurückverfolgen ließ sich der Ursprung des Bildes schließlich nach Kairo, wo es die Tradition gibt, dass christliche Ägypter am Weihnachtstag die Geschenke vom Baum holen. In Deutschland war aber der Kontext dahingehend verändert worden, dass muslimische Flüchtlinge einen Weihnachtsbaum geplündert hätten, ein klarer Fake, der massenhaft geteilt wurde.

Seriöse Seiten, die sich zur Überprüfung von Nachrichten eignen, sind:

mimikama.org

correctiv.org/faktencheck/

https://www.tagesschau.de/faktenfinder

https://hoaxmap.org

Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Janz für den anschaulichen und aufrüttelnden Workshop und die vielen Beispiele von eigenen Recherchen zu dem Thema.

Text und Fotos: Mechthild Piechotta