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„Deutschland, siehst du das nicht …?“


Eine zeithistorische Revue mit Roman Knižka, dem Ensemble OPUS 45 sowie Schülerinnen und Schülern der TMS über den Untergang der Weimarer Republik – am 22.04. im Lübecker Kolosseum

Gibt es Parallelen der heutigen Situation in Deutschland zu den letzten Jahren der Weimarer Republik vor deren Untergang? Auch wer dieser Sichtweise skeptisch bis ablehnend gegenüber steht, konnte sich nur die Augen reiben angesichts der Vielzahl zeithistorischer Dokumente der Jahre 1929 bis 1933, die in der Veranstaltung im Lübecker Kolosseum präsentiert wurden und genau diese These belegen.

Auf Einladung durch die Michael-Haukohl-Stiftung konnten ca. 500 Lübecker Schülerinnen und Schüler am Mittwoch, dem 22. April 2026, einer künstlerisch mitreißenden und politisch denkwürdigen Revue zum Thema beiwohnen, die das Ensemble OPUS 45 gemeinsam mit Schauspieler Roman Knižka aufführte. Eine Geschichts-Doppelstunde der ganz besonderen Art, in der nichts nach Lehrbuch klang, sondern wo Texte der Zeit in einer so eindringlichen Weise zum Leben erweckt wurden, wie man es nur selten erleben kann: Literarisches, Erinnerungen (Haffner, Klemperer), Tagebücher (Goebbels), Reden (Hitler), Zeitungsartikel (dabei das Interview der amerikanischen Journalistin Dorothy Thompson mit Adolf Hitler).

Die Textstücke wechselten sich ab mit Ausschnitten aus Musikstücken der Zeit (u.a. Hindemith, Juon, Francaix, Schulhoff, Weill). Die Ausschnitte korrespondierten ausgesprochen stimmig mit den Texten und verliehen der Gesamtkomposition der Revue durchgehende Spannung. Leitmotivisch wurde immer wieder das Vorspiel aus der Oper „Lohengrin“ des Meisters der Leitmotivik, Richard Wagner, zitiert. Auch Schlager durften nicht fehlen, wobei Roman Knižka zeigte, dass er nicht nur ein begnadeter Rezitator ist, sondern auch ein exzellenter Sänger.

Die Haukohl-Stiftung hatte bei uns angefragt, ob wir bei dieser Veranstaltung die Aufgabe übernehmen würden, die besondere Situation im Lübeck der Jahre 1929 bis 1933 zu beleuchten. Na klar! Mathilda Decker, Christian Hüther und Josephine Mehlhorn aus der Literatur-AG von Herrn Dr. Klug sowie Emil Richter (alle 10. Klasse) präsentierten u.a. literarische Texte, Erinnerungen, Reden von Lübeckern aus der Zeit vor (Erich Mühsam, Thomas Mann, Rolf Winter).

Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung
Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung
Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung

Es war in höchstem Maße beeindruckend, mit welcher sprachlichen und darstellerischen Kraft diese vier ihre Texte vortrugen und so ein Bild der besonderen Situation in unserer Stadt schufen.

Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung
Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung
Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung

Ebenso beeindruckend war die Performance der Moritat von Macke Messer“ aus der „Dreigroschenoper“: Es sang der Musikkurs 12 unter der Leitung von Herrn Kracke, es spielten Marius Bach (Trompete), Helena Bach (Tuba), Kalle Dilling (Saxofon), Gabriel Mahdi (Schlagwerk) sowie Herr Kracke am Klavier. Schön war, dass bei diesem Stück die Musiker von OPUS 45 nach und nach mit einstiegen.

Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung
Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung

Zum Abschluss, für alle als gedankliche Mitgift für den Heimweg, zitierte Roman Knižka das Fazit Christoph Nonns aus dessen Buch „Wie Demokratien enden“. Bitte selber lesen!“

Foto: © Olaf Malzahn / Haukohl-Stiftung

Text: Dr. Christian Klug

Fotos: Olaf Malzahn