E-Mail schreiben

0451-12285700

Wenn Buchstaben lebendig werden – Rainer Rudloff begeistert die Sechstklässler


Was passiert, wenn aus gedruckten Wörtern plötzlich echte Stimmen werden, Figuren zum Leben erwachen und man für einen Moment alles um sich herum vergisst? Genau das erlebten die sechsten Klassen der Thomas-Mann-Schule bei der diesjährigen Lesung von Rainer Rudloff.

Doch bevor es richtig losging, standen die Bücher selbst im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Two4U – Du suchst dein Superbuch!“ konnten die Schüler: innen mitentscheiden, in welche Geschichten sie eintauchen wollten. Die Buchcover blieben zunächst verhüllt. Stattdessen wurden kurze Textausschnitte vorgelesen, anhand derer die Klassen ihre Favoriten auswählten. So blieb es bis zuletzt spannend, welche Bücher schließlich auf dem Programm stehen würden.

Durch die Veranstaltung führten in diesem Jahr drei Schüler: innen der Literatur-AG: Henriette K. (6c), Sarah M. (6b) und Paula S. (6c). Sie begrüßten Rainer Rudloff, stellten ihn vor und interviewten ihn. Damit übernahmen sie eine besondere Rolle bei der Lesung und sorgten für einen gelungenen Einstieg in die Veranstaltung.

Wenn aus Lesen ein Erlebnis wird

Schon bei den ersten Ausschnitten wurde deutlich, dass Rainer Rudloff Bücher nicht einfach nur vorliest. Er spielt sie. Mit seiner Stimme, seiner Mimik und seiner Gestik schlüpfte er in unterschiedliche Rollen und verlieh den Figuren einen ganz eigenen Charakter. Dazu kamen selbst erzeugte Live-Soundeffekte, die das Geschehen noch greifbarer machten. Man konnte sich beinahe vorstellen, selbst mitten in der Geschichte zu stehen.

Bei der ersten Lesung fiel die Wahl auf zwei bekannte Werke: „Krabat“ von Otfried Preußler und „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke.

Besonders bei „Krabat“ zeigte sich, wie ausdrucksstark Rudloffs Darstellung war. Mit passendem Outfit, eindrucksvoller Schauspielkunst und den passenden Geräuschen ließ er die düstere Atmosphäre der Geschichte lebendig werden. Die Figuren wirkten nicht länger wie Namen auf einer Buchseite, sondern wie Menschen, denen man direkt gegenüberstand.

Auch „Herr der Diebe“ wurde zu mehr als einer gewöhnlichen Lesung. Bevor die Geschichte richtig begann, erarbeiteten die Schüler: innen gemeinsam mit Rudloff wichtige Informationen zur Vorgeschichte und zum Hintergrund des Buches. Dadurch fiel es leichter, sich in die Handlung hineinzuversetzen und den Figuren zu folgen.

Eine Geschichte, viele Stimmen

Bei der zweiten Lesung durften die Klassen erneut in die Welt von „Krabat“ eintauchen. Ergänzt wurde das Programm durch Michael Endes Klassiker „Momo“.

Auch hier gelang es Rainer Rudloff, die Handlung allein durch seine Stimme und sein Schauspiel mitreißend zu gestalten. Er wechselte zwischen den Figuren, verlieh ihnen unterschiedliche Stimmen und machte ihre Gefühle und Reaktionen unmittelbar erlebbar. So entstand eine Atmosphäre, in der die Grenzen zwischen Zuhören und Miterleben beinahe verschwanden.

Gerade das machte die Veranstaltung besonders: Literatur wurde nicht nur vermittelt, sondern spürbar. Die Schülerinnen und Schüler konnten erleben, wie viel Ausdruck, Spannung und Fantasie in einer Geschichte stecken und wie unterschiedlich ein Buch zum Leben erweckt werden kann.

Literatur, die in Erinnerung bleibt

Die Lesung zeigte eindrucksvoll, dass Bücher weit mehr sind als bedruckte Seiten. Sie eröffnen fremde Welten, lassen uns mit Figuren mitfiebern und regen die eigene Fantasie an. Wenn dann noch jemand wie Rainer Rudloff aus einer Geschichte ein lebendiges Erlebnis macht, kann Lesen plötzlich ganz anders wirken.

Ein besonderer Dank gilt dem Schulverein der Thomas-Mann-Schule, der die Auftritte von Rainer Rudloff mitfinanziert und solche besonderen Begegnungen mit Literatur ermöglicht. Organisiert wurden die Lesungen für den sechsten Jahrgang von Frau Koschel.

Vielleicht hat an diesem Tag ja nicht nur eine Geschichte die Schüler: innen begeistert, sondern auch das eine oder andere Buch einen neuen Fan gewonnen.

Text und Fotos: Yanto P.