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Was machen ehemalige MUNOListas heute?


Wenn hunderte junge Menschen in Anzügen durch die Lübecker Altstadt radeln, dann ist es wieder so weit. Die Model United Nations of Lübeck locken Schüler:innen aus vielen Ländern in die Hansestadt, um auf Englisch und in formal dress internationale Politik zu diskutieren. Seit 1998 gibt es die alljährlich stattfindende Simulation der Vereinten Nationen bereits an der Thomas-Mann-Schule. Das Besondere: Organisiert wird die einwöchige Veranstaltung mit bis zu 500 Teilnehmenden nur von den Schüler:innen selbst.

Aber was machen die Beteiligten, die in all den Jahren in Anzügen durch Lübeck geradelt sind, eigentlich heute? Der Alumni-Verein „MUNOL e.V.“ bildet nicht nur das rechtliche und finanzielle Rückgrat der Konferenz und berät das aktuelle Organisationsteam, er bildet auch ein breites Netzwerk an Ehemaligen. Wir haben uns umgehört, was ehemalige MUNOListas heute machen.

„MUNOL ließ mich als junge Schülerin eintauchen in die faszinierende Welt der Vereinten Nationen – es war eine Faszination, die anhielt“ sagt Elise Zerrath. Bei MUNOL „spielte“ sie Delegierte, später war sie es als UN-Jugenddelegierte wirklich und heute arbeitet sie bei den Vereinten Nationen in Genf im Bereich Klimawandel und nachhaltige Entwicklung. Auch bei Christian Kreuder-Sonnen hat MUNOL das Interesse an internationaler Politik geweckt. Heute ist er Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Organisationen in Jena und forscht etwa zum Krisenmanagement der Weltgesundheitsorganisation und der Internationalen Organisation für Migration. Seine Erfahrungen von MUNOL prägen ihn bis heute: „In Jena organisiere ich kleine MUNs als Teil der universitären Lehre und entsende Delegationen der Uni zu den ‚großen‘ WorldMUN und NMUN“.

Aber MUNOL bereitet nicht nur auf Berufe in der internationalen Politik vor. Philipp Koerkemeyer leitet ein mittelständisches Unternehmen im Agrarbereich. Ihn geprägt hat vor allem der Kontakt und die Kommunikation mit anderen Kulturen: „MUNOL gab mir die Möglichkeit, mich selbst auszuprobieren und mich mit wachsender Verantwortung weiter zu entwickeln“. Beyza Günsür engagiert sich heute neben dem Maschinenbaustudium in einer Arbeitsgruppe für elektrische Rennwagen an der Uni Hamburg: „Durch MUNOL kann ich besser mit Menschen umgehen, mich in viele Positionen hineinversetzen und habe viel mehr Selbstvertrauen“, merkt Beyza in ihrem Studium. Auch Philipp Kleiner schätzt während seiner Promotion im Umwelt- und Finanzmarktrecht die Fähigkeiten, die er bei MUNOL gelernt hat: „Bei MUNOL habe ich gelernt, im Team Projektverantwortung zu übernehmen und vor einer größeren Zahl an Menschen zu sprechen. Ich bin überzeugt, dass mich diese bei MUNOL erlernten Fähigkeiten ein Leben lang begleiten werden.“

Ein ganz zentrales Element von MUNOL war schon immer die Internationalität. Und so schlagen auch viele ehemalige MUNOListas eine berufliche Karriere im Ausland ein. Carolin Lehmann lebt seit 2015 in den USA. Sie hat Kommunikationswissenschaften und Business Administration studiert hat und bei MUNOL ihre „Liebe zum Organisieren, Analysieren, und Schreiben entdeckt“. Heute arbeitet sie im Marketing. Stine Walter war bis 2013 bei MUNOL aktiv und ist heute Rechtsanwältin in Brüssel. Dort berät sie unter anderem zu den EU-Sanktionen gegen Russland. Sie sagt: „Durch MUNOL habe ich mein Interesse für die Schnittstelle zwischen Jura und Politik entdeckt. Davon profitiere ich auch noch 10 Jahre später“.

Und schließlich ist da MUNOL-Mitgründerin Anna Schiller, die auch heute noch MUNOL regelmäßig die Treue erweist und etwa bei Gastvorträgen den aktuellen Teilnehmenden von ihrem Werdegang berichtet. Ihre beruflichen Stationen umfassen die Europäische Union, die deutsche Botschaft in Washington und eine NGO, die für Pressefreiheit und Frauenrechte kämpft. Zurzeit leitet sie die Öffentlichkeitsarbeit für eins der führenden Meinungsforschungsinstitute, das Pew Research Center in Washington DC. Sie erzählt uns: „2019 hat UNO-Generalsekretär Guterres in seiner Eröffnungsrede zur UN-Generalversammlung Ergebnisse aus einer weltweiten Umfrage des Pew Research Center zu internationaler Kooperation und dem Ansehen der UNO zitiert“.

Und damit schließt sich der Kreis: MUNOL bereitet auf viele berufliche Karrieren vor, wohl noch viel mehr, als in dieser kleinen Sammlung vorgestellt werden können.

Und all diese Erfahrungen sammeln sich im gemeinnützigen Alumni-Verein MUNOL e.V. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, schauen Sie gerne auf unserer Website munol.org vorbei oder schreiben Sie uns an vorstand@munol.org. Wenn auch du Mitglied werden willst und das Fortbestehen der Konferenz unterstützen möchtest, melde dich auch gerne bei uns!
Text: Leonard Roemer