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„Das kann man 100 mal sagen!“


…es zählt das gesprochene Wort.

 Wie sag ich es meinem Kinde? Wie streng darf ich sein?

Eltern müssen immer mehr den Eindruck gewinnen, einen Experten-Job zu bewältigen. Die Welt um sie herum ist voller guter Ratschläge und besserwissender Literatur.

Dr. Althaus, ein erfahrener Kinderarzt und Psychotherapeut, beruhigt diese Eltern: „Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Unperfekte Eltern bereiten besser auf die auch nicht perfekte Welt vor“. Aber – „es ist keine Schande, klüger zu werden.“

Was ist dann so wichtig für eine gute Erziehung und ein gutes Elterngefühl?

Erziehung findet immer statt, wenn Erwachsene auf Kinder treffen. Die Erziehung obliegt also nicht nur den Eltern, wenn auch in erster Linie.

Das Beziehungsgefüge zwischen Eltern oder auch allgemein zwischen Erwachsenen und Kindern ist hier besonders wichtig; es ist nämlich asymmetrisch. Kinder, von Natur aus neugierig, offen und lernbegierig, schauen zu den Erwachsenen auf, saugen das Vorbild auf,  und sie sind nicht wie in Freundschaft oder Partnerschaft auf Augenhöhe.

Eltern sind „Besserwisser“ und erfahren und verantwortlich. Es besteht keine Gleichheit, aber  – und das ist sehr entscheidend – es besteht eine Gleichwürdigkeit. Kinder sind keine Freunde, dennoch spricht man so „freundlich“ mit ihnen, wie man mit Freunden spricht.

Was ist denn nun entscheidend für das Kind?

Nicht die Gene, sondern die Erfahrungen mit der sozialen Umwelt, mit den Eltern, besonders in den ersten Jahren, entscheiden über die spätere Leistungsfähigkeit des Gehirns: durch Sprache, Gesten, Blicke, Lieder, Reime und Lächelspiele. Das Vorbild der Eltern wirkt entscheidend ein, wie sie reagieren, zuhören, spielen, fordern, trösten, mitfühlen und verzeihen, selber lernen.

Die Psychologin Alice Miller macht es sehr anschaulich: „Wenn Menschen Liebe gepredigt wird, lernen sie nicht lieben, sondern predigen“. 

Verlässlich wiederkehrende, einfühlsame Signale von echten, greifbaren Menschen, die Ausprobieren begeistert kommentieren, sind für die Entwicklung entscheidend. Der Fernseher kann das nicht leisten.

Dr. Althaus: „Kinder unter drei Jahren sollten nicht fernsehen, schon gar nicht stundenlang!“ Bildschirme zeigen die Bilder kunterbunt, schnell wechselnd, nur zweidimensional, nicht auf einander aufbauend  – unbegreiflich. Das gemeinsame Betrachten von Familienfotos darf man als unschädlich ansehen. Liebe, Wärme und Akzeptanz sind für die Entwicklung des Kindes von tragender Bedeutung und sind Grundstock motorischer, sprachlicher, mathematischer und sozialer Fähigkeiten.

Kinder können Gedanken lesen und Gefühle sehen. Darum nehmen sie auch unbewusste Botschaften der Eltern auf. Bei irritierendem Verhalten des Kindes dürfen Eltern sich immer fragen, was merkt das Kind, was wir nicht bemerkt haben?

Als Beispiele führte Dr. Althaus das Besonders-Behandeln an, das Wieder-Gutmachen, das inflationäre Loben und Ermutigen, die Zweideutigkeit von Zumuten und Zutrauen, von Behüten und Belasten und – titelgerecht – das Missverständnis der ewigen Wiederholungen: Wer etwas 100 mal wiederholt, hat es 99 mal nicht ernst gemeint. Ein kluges Kind reagiert entsprechend und nimmt das Gesagte auch nicht ernst. Die Verklärung des Erklärens überfordert und beschämt Kinder oft, wenn sie sich die Erwachsenenperspektive zu eigen machen sollen, die sie noch nicht verstehen. Eltern scheuen nämlich oft die Direktive aus Angst, zu „autoritär“ zu sein.

Diese unbewussten Botschaften lassen Kinder auch Aufgaben und Rollen in der Familie übernehmen.

Das lässt sie Eltern trösten, Elternteile ersetzen oder bekämpfen, Konfliktmoderator, Störenfried oder Sündenbock sein (nach Martin Dornes).

Erziehung fußt immer auf Beziehung

Alles, was die Beziehungsfähigkeit eines Menschen stützt, ist gut für den Menschen und auch für die Gemeinschaft. Es ist gut für ein Kind, einen Menschen, für sein Hirn, wenn er zu sich selbst, zu Mitmenschen, zur Natur, zur Welt in Beziehung treten kann (Hüther).

Geduld, Warten-Können, Belohnungsaufschub, Verzicht, Zeit haben, Zeit geben, Selbstkontrolle, dieses bedeutet, mit dem augenblicklichen Bedürfnis sozialverträglich umzugehen.

So erwerben Kinder Lebenskompetenz, so instruieren Erwachsene. Dazu gehören verlässliche Strukturen und klare Regeln, langfristige Ziele, Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Frustrationstoleranz, Problembewältigung statt Problemvermeidung, Krisenerleben und Vertrauen, Sanftmut, Demut, Barmherzigkeit und Gnade.

Die Pubertät!!!

Das Gehirn ist im Ausnahmezustand, Kinder bereiten sich biologisch auf das  Verlassen der Familie vor, wollen frei sein für neue Erfahrungen, sind risikobereit, ihre Emotionalität steht weit über der Rationalität, Argumente verfangen nicht, Freunde und Peergroups sind wichtiger, hier wird um Anerkennung gekämpft, positives Feedback gesucht.

Das Autonomiebedürfnis in der Pubertät kann der Jugendlich noch nicht realistisch einlösen. Wenn die Selbstaufwertung nicht gelingt, ist die Abwertung des Anderen ein probates Mittel, von dem besonders Eltern nicht ausgenommen sind.

Wichtig sei – so rät Dr. Althaus – Eltern müssen ganz bei sich bleiben, nicht in die Rolle des Gleichaltrigen, des Freundes wechseln, Eltern bleiben. Wenn überhaupt kommt frühestens nach 10 Jahren die Anerkennung der Kinder für das erwachsene Verhalten der Eltern.

Zusammenfassend und ermutigend empfiehlt Dr. Althaus folgende Maximen:

Vertrauen/ Zutrauen statt Misstrauen

Optimismus statt Besorgnis

Gutheißen statt Bessermachen

Grüne Wiese statt roter Teppich

Berater sein statt Manager/ Entertainer

Lächeln statt Predigen

Nachdenken statt Vornehmen.

Der Vortrag klang aus mit einem Zitat des Neurobiologen Hüther:

„Wir müssen Kinder nicht stimulieren, sondern dürfen ihnen beim Entfalten ihrer Begabungen zusehen.“

Frei nach Dr. Althaus: „ Kinder einladen, inspirieren, unterstützen, ihnen eine Wahl geben – nicht erpressen.“

Die zahlreich anwesenden Eltern waren sehr angetan von dem Vortrag, der aus großer  Erfahrung und lebenswirksamem Zugang geprägt war.

Dr. Althaus, Ihnen vielen Dank.

Marion Link

26. Apr. 2017

Zum Thema Handy/ Smartphone gibt folgende Internet Adressen und Apps Auskunft:

  • kinderserver.de    sowie die Apps
  • meine-startseite und fragfinn
  • medien.sicher.de

….und IT-Profis wie Bill Gates und Steve Jobs empfehlen für Kinder:

Handy ab Klasse 5

Smartphone mit 14

mobile Internetflat mit 16

Zu Themen wie Sexting, Pubertät, digitale Medien finden Sie unter

„Themenabende für Eltern“ weitere Informationen auf unserer Homepage.